Juckreiz

 

Welche Rolle hat der Juckreiz?

 

Der medizinische Begriff für Juckreiz heißt “Pruritus”. Dieses Gefühl kann auf einen Hautbereich begrenzt sein oder den ganzen Körper betreffen. Es gibt viele Gründe für den Juckreiz, z.B. entzündliche Hautkrankheiten oder allgemeine Erkrankungen. Man glaubte lange, dass Psoriasis nicht pruritisch, also ohne Juckreiz, sei. Nicht alle Patienten mit Psoriasis leiden darunter. Allerdings haben Studien gezeigt, dass 80% der Patienten mit Psoriasis über dieses Gefühl berichten. Juckreiz tritt in verschiedenen Schweregraden auf, die mit Hilfe der Visual Analogue Scales gemessen werden.

 

Hierbei geben die Patienten den Schweregrad des Juckreizes auf einer Skala von 1 bis 10 an (von mäßigem Pruritus bis hin zu extremem Pruritus, bei dem sie die Plaques bis zum Bluten aufkratzen). Durch Juckreiz wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, da das Kratzen zur Hypertrophie (Vergrößerung) der hautständigen Nervenenden führt, die dadurch wiederum sensibler werden. Zusätzlich führt intensives Kratzen dazu, dass das Gehirn auf jede Form der externen Stimulation durch Auslösung eines Juckgefühls reagiert. Kratzen ist eine Form des Traumas, wobei in den traumatisierten Bereichen häufig psoriatische Läsionen auftreten - in einer als Köbner-Phänomen bekannten Reaktion.

  

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Juckreiz und Schmerz?

 

Über die am Juckreiz beteiligten Gehirnzentren ist viel weniger bekannt als über die am Schmerz beteiligten. Einige Forscher glauben, dass Neurotransmitter beim Juckreiz eine wichtige Rolle spielen. Juckreiz und Schmerz haben tatsächlich einige gemeinsame Merkmale. Bei beiden handelt es sich um unangenehme Empfindungen, und die Informationen werden auf den gleichen neuralen Wegen übertragen. Informationen werden von der ersten Nervenzelle an das Rückenmark übertragen, anschließend durch eine zweite Nervenzelle an den Thalamus (im unteren Gehirnbereich) sowie durch eine dritte an den Cortex (das rationale Gehirn). Der Patient wird sich des Schmerzes bzw. des Juckreizes bewusst, nachdem eine bestimmte Schwelle überschritten wurde. Diese ist je nach psychologischen Faktoren, wie z.B. Stress und Depressionen, unterschiedlich hoch. Durch Stress verstärkt sich der Juckreiz.

 

Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass bei Menschen, die an Depressionen leiden, eine Wechselwirkung zwischen der Schwere des Juckreizes und der Schwere der Depression besteht. Juckreiz führt daher zu realem physikalischen und psychologischen Leiden, genauso wie Schmerzen.

  

Welche Medikamente lassen sich gegen Juckreiz einsetzen?

 

In erster Linie geht es um die Behandlung der psoriatischen Läsionen. Topische Kortikosteroide, UVA- und UVB-Bestrahlungen und Cyclosporin führen häufig zu einem Nachlassen des Juckreizes. In Fällen, in denen diese Behandlungen keinen Erfolg haben, kann der Juckreiz nur schwer unterdrückt werden. Auch wenn Antihistamine bei einigen Krankheiten den Juckreiz unterdrücken, scheinen sie bei der Behandlung von Juckreiz, wie er durch Schuppenflechte ausgelöst wird, wirkungslos zu sein. Patienten, die an Depressionen oder Angstzuständen und gleichzeitig an Juckreiz leiden, sollten mit Medikamenten behandelt werden, die speziell für die psychologischen Probleme bestimmt sind. 

 

Kommen andere Behandlungen in Frage?

 

Die Anwendung von feuchtigkeitsspendender Lotion ein- oder mehrmals pro Tag kann die Haut beruhigen, indem sie Austrocknung vorbeugt. Auch Heilbäder können nützlich sein, da thermisches Mineralwasser anti-inflammatorische Eigenschaften hat und den Juckreiz vermindert. Gestresste oder depressive Patienten finden eventuell Hilfe in Entspannungstechniken wie Sophrologie und Yoga, um Angst zu bekämpfen und Juckreiz zu unterdrücken.

 

Durch Reibung und kleinere Hauttraumata können Läsionen ausgelöst werden. Daher sollten Naturfasern, wie z.B. Baumwolle, getragen werden. Sehr heiße Dusch- und Vollbäder sollten ebenfalls vermieden werden, und es sollten nur milde Hautpflegemittel zum Einsatz kommen. Handschuhe helfen, um den Kontakt mit scharfen Reinigungsmitteln zu begrenzen. Es ist besser, die Fingernägel kurz zu schneiden, um die Gefahr durch Kratzen so gering wie möglich zu halten. Schließlich sollten Alkohol und Kaffee nur sehr eingeschränkt konsumiert werden.

 

 

In Stichworten

  • Juckreiz (Pruritus) ist eine unangenehme Empfindung, die einen mehr oder weniger unterdrückbaren Drang zum Kratzen auslöst.
  • Juckreiz und Schmerz haben einige gemeinsame Merkmale. Bei beiden handelt es sich um unangenehme Empfindungen.
  • Stress und Depressionen können den Juckreiz verstärken.
  • Psoriatische Läsionen müssen behandelt werden, um den Juckreiz in Schach zu halten.
  • Es ist wichtig, alle Auslöser eines Juckreizes zu vermeiden, zum Beispiel heiße Bäder und Duschbäder, reibende Kleidung und Stimulantien wie z.B. Kaffee.

 

Mit Dank an Dr. Laurent Misery, Dermatologe am Universitätskrankenhaus Brest und Verfasser des Buchs La Peau neuronale, erschienen bei Ellipses.

 

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