Das Köbner-Phänomen

 

Was ist das Köbner-Phänomen?

 

Das Köbner-Phänomen ist in der Dermatologie vielleicht eine der bekanntesten Erscheinungen. Es wurde erstmals im Jahre 1872 durch Heinrich Köbner beschrieben, einem bekannten Dermatologen des 19. Jahrhunderts, nach dem das Phänomen benannt ist. Einige seiner Patienten waren im Bereich einer Hautabschürfung durch Kratzen, einen Pferdebiss oder eine Tätowierung an Schuppenflechte erkrankt.

Der Ausdruck beschreibt eine Reaktion, bei der bei Patienten mit einer Hautkrankheit an gesunden Hautstellen, die zuvor einem Trauma ausgesetzt waren, neue Läsionen auftreten bzw. sich entwickeln. Die Reizbelastung eines "normalen" Hautbereichs bei einem Patienten mit Psoriasis kann somit neue Läsionen auslösen, die sich nicht von den normalen, krankheitsbedingten Läsionen unterscheiden. Daher wird das Köbner-Phänomen auch als "isomorphische Reaktion" (d.h. eine Reaktion in der gleichen Form) bezeichnet.

 

Tritt das Köbner-Phänomen bei Psoriasis gehäuft auf?

 

Das Köbner-Phänomen tritt bei mehreren dermatologischen Krankheiten auf, am häufigsten aber bei Psoriasis, Lichen planus und Vitiligo. Patienten mit Schuppenflechte sind daher besonders gefährdet, vor allem solche mit instabiler oder erythematischer Psoriasis, welche sich durch dunkelrote Flecken am ganzen Körper auszeichnet.

Es ist zu bemerken, dass örtliche Traumata diese Reaktion nicht notwendigerweise auslösen.
Das Köbner-Phänomen erscheint normalerweise 10 bis 14 Tage nach dem Trauma, kann aber bis zu mehreren Jahren später ausbrechen. Daneben ist es charakteristisch, dass kein bestimmter Bereich betroffen ist, dass die Schübe vor allem im Winter kommen und dass besonders Kinder betroffen sind.

 

Welche Verletzungen (Traumata) können das Köbner-Phänomen auslösen?

 

Diese Reaktion kann durch verschiedene Traumata ausgelöst werden. Das Köbner-Phänomen wurde beobachtet bei: Bissstellen von Hunden und Insekten, Abschürfungen, Schusswunden, Schnittwunden, Verbrennungen, Narben, Reibestellen, Kontaktdermatitis, an Reizstellen von Strumpfbändern im Wadenbereich und nach der Rasur, der Entfernung von Haaren oder nach einer Wachsbehandlung der Haut.

 

Die Bügel von Brillen können eine Köbner-Reaktion hinter den Ohren auslösen. Das Feilen oder Maniküren der Nägel kann eine Nagelpsoriasis verschlimmern. Als weiteres Beispiel kann die durch den Trauring verursachte Reibung bei Patienten mit psoriatischer Arthritis zu psoriatischen Läsionen führen, die ausschließlich am Ringfinger auftreten.

 

Im Fall der palmoplantaren Psoriasis können sich die Läsionen durch das Köbner-Phänomen auf die druckbelasteten Bereiche beschränken, so dass sie an den Fußgewölben fehlen. Auch Sonnenbrand kann zu einer massiven Ausbreitung der Psoriasis über den Körper führen.

Viele Dermatosen können das Köbner-Phänomen auslösen, darunter Psoriasis, Dermatitis, Herpes, Lichen planus, Windpocken, Vitiligo oder Ekzeme. Schließlich können allergische Reaktionen auf Grippe- oder Tuberkuloseimpfungen, bestimmte Medikamente, Haarspray oder Haartönungen, Tätowierungen, Nesselfieber und einige Therapien wie die UV-Therapie ebenfalls eine Köbner-Reaktion hervorrufen.

Ärzte reden vom umgekehrten Köbner-Phänomen, wenn eine psoriatische Plaque nach einem Trauma verschwindet, zum Beispiel nach einer Rötelerkrankung, einer Erkältung, akuter Pharyngitis oder nach einer Operation.


Auch wenn externe Erscheinungen des Köbner-Phänomens am bekanntesten sind, kann das Phänomen auch unsichtbar auftreten, zum Beispiel in einem Nerv in unmittelbarer Nähe zur Ausbruchstelle. So kann eine Handgelenkfraktur oder eine isolierte Arthrose zu psoriatischen Läsionen an den Nägeln führen. Dies ist bekannt als tiefes Köbner-Phänomen, einem seltenen Vorgang, der aber nicht ignoriert werden sollte.

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen können getroffen werden?

 

Schuppen und Plaques sollten nicht behandelt oder abgekratzt werden. Reibung und Reizungen sollten so weit wie möglich verhindert werden. Beim Kämmen und Rasieren mit Vorsicht vorgehen. Nägel kurz schneiden und nicht feilen. Den Sonnenkontakt begrenzen und Sonnenschutzcremes bzw. hypoallergene Hautpflegeprodukte verwenden, um Irritationen zu vermeiden. Diese Pflegemittel sorgfältig auftragen.


Diagnostiziert der Arzt ein Köbner-Phänomen, sollten alle physikalischen oder chemischen Reizungen, Laserbehandlungen und chirurgischen Operationen vermieden werden. Es sollte umgehend eine Behandlung eingeleitet werden, damit diese so effektiv wie möglich ist.

 

In Stichworten

  • Psoriatische Läsionen können an traumatisierten Hautbereichen auftreten. Dies ist bekannt als Köbner-Phänomen.
  • Das Köbner-Phänomen kann durch verschiedene Traumata ausgelöst werden, wie Reibung, Sonnenbrand und Tätowierungen.
  • Das Köbner-Phänomen verschlimmert eine Psoriasis.

Referenzen


- The isomorphic phenomenon of Koebner, Thappa Devinder Mohan, Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology, 2004


Mit Dank an Dr. Patrick Brun, Dermatologe am Universitätskrankenhaus Cannes.

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